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Die App der Innenstadtpfarrei
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Gemeindereferentin zum Beerdigungsdienst beauftragt





Ein neuer Dienst, vor allem für Frauen in der katholischen Kirche, wir haben einmal nachgefragt…

 

Prof. Dr. Cornelius Roth

 

Sie sind Mitglied der Liturgiekommission und haben die Änderungen für das Beerdigungsstatut mit begleitet. Warum halten Sie das für notwendig und was war Ihnen dabei besonders wichtig?


Ich denke, dass es wichtig ist, hauptamtliche Laien stärker in den Verkündigungsdienst und diakonischen Dienst einzubinden, zum einen, weil sie (zumal als Frauen) ganz eigene Sichtweisen und Kompetenzen einbringen, zum anderen, weil sie dadurch tatsächlich den Pfarrer in manchen Punkten entlasten können. In einer Pfarrei wie der Innenstadtpfarrei mit über 100 Beerdigungen im Jahr spielt das schon eine Rolle. Aber wie gesagt: Auch wenn die Situation z.T. aus der Not geboren ist, sollte man den ganz eigenen, positiven Mehrwert von Beerdigungen durch Laien sehen. Außerdem gibt es Situationen, in denen sich die Beerdigung durch die Gemeindereferentin etwa besonders anbietet, z.B. bei einer langjährigen Begleitung eines Menschen bei der Krankenkommunion.

 

Der Qualifizierungskurs für die Gemeinde- und Pastoralreferenten stand unter Ihrer Leitung. Alle TeilnehmerInnen arbeiten bereits in der Seelsorge, was waren also hier noch die Inhalte?


Die Gemeinde- und Pastoralreferenten/-innen haben in ihrer Ausbildung nur sehr begrenzt Kenntnisse über die Trauer- und Sterbepastoral bekommen. Auch in der praktisch durchgeführten Liturgie hatten sie bisher wenig Übung.

In der 6-tägigen Ausbildung haben wir daher versucht, das Thema „Trauer, Tod, Beerdigung“ ganzheitlich anzugehen: So ging es um den eigenen Umgang mit Sterben und Tod, um das Trauergespräch, die Beerdigungsansprache, die Liturgie der Beisetzung und um Riten im Umfeld des Todes wie der Kranken- und Sterbesegnung, die ebenfalls von Laien durchgeführt werden kann (im Unterschied zur Krankensalbung, die den Priestern vorbehalten ist). Bei alldem war uns der praktische Bezug wichtig, d.h. wir haben viel konkret vor Ort geübt, in der Kapelle und am Friedhof.

 

Der Kurs ist abgeschlossen, die TeilnehmerInnen sind für diesen wichtigen Dienst beauftragt. Wie gestaltet sich nun die Umsetzung vor Ort? Welche Chancen und Schwierigkeiten sehen Sie?


Wichtig ist, dass die Absolventen/-innen in ihrem Dienst begleitet werden. Das geschieht zum einen durch regelmäßige Supervision, zum anderen sollte auch der Pfarrer vor Ort seine Bereitschaft zeigen, zeitnahe Erfahrungen bzw. evtl. Schwierigkeiten zu reflektieren. Ein Problem könnte in traditionelleren Gemeinden die Akzeptanz des Dienstes seitens der Gemeinde (oder zumindest einzelner Gemeindemitglieder) sein. Aber ich bin mir sicher – und die Erfahrungen in anderen Bistümern zeigen das auch –, dass auf Dauer die Vorbehalte abgebaut werden können, wenn die ersten Beerdigungen stattgefunden haben und man sieht, dass ausgebildete Gemeindereferentinnen und Pastoralreferenten mit ihren eigenen Kompetenzen und Begabungen diesen Dienst ebenso gut vollziehen wie der Pfarrer – und manchmal sogar besser.

 

Stadtpfarrer Stefan Buß

Unsere Pfarrei gehört zu den ersten, in denen Laien den Beerdigungsdienst übernehmen dürfen. Wie stehen Sie dazu?

 

Das Anliegen einer neuen Bestattungsregelung auch durch Laien Bestattungen durchführen zu können, kam aus unserem Dekanat Fulda. Wichtig ist es, deutlich zu machen, dass es nicht um eine „Lückenbüßerrolle“ geht, weil die Pfarrer und Diakone zu viel zu tun haben. Es geht vielmehr darum, die seelsorgliche Betreuung in der Trauersituation zu stärken. Viele hauptamtliche Laien haben über Hausbesuche und Krankenkommunion intensive Kontakte zu alten und kranken Menschen und ihren Angehörigen. Sie begleiten sie teilweise über Jahre. Von da her ist es nur schlüssig, wenn sie dann auch die Trauerbegleitung und die Bestattung übernehmen. Ich freue mich, dass meine Mitarbeiterin Larissa Herr diesen Dienst nun übernehmen wird.

 

Wie wird dies nun konkret vor Ort umgesetzt? Eine Gemeindereferentin kann schließlich kein Requiem feiern.

 

Es wird je nach der Situation und der seelsorglichen Beziehung geschaut werden, wer die Bestattung übernehmen kann. Im städtischen Umfeld ist Beerdigung und Requiem nicht unbedingt miteinander verknüpft, viele Angehörige fragen überhaupt nichtmehr nach einem Requiem. Es ist also durchaus möglich, dass die Bestattung und Ansprache auf dem Friedhof in der Hand der Gemeindereferentin liegt. Auch eine Beteiligung oder Mitgestaltung eines Requiems ist durchaus denkbar. Ich rechne damit, dass einige Angehörige von sich aus auch die Bitte nach der Bestattungsfeier durch die Gemeindereferentin äußern. Der Dienst der Bestattung ist ein Werk der Barmherzigkeit und in keiner Weise an das Weiheamt gebunden, also es gibt keine Beerdigung 1. Klasse oder 2. Klasse, sondern die seelsorgliche Beziehung sollte den Ausschlag geben.

 

Gemeindereferentin Larissa Herr

 

Sie sind die jüngste der für diesen Dienst Beauftragten. Warum stellen Sie sich in Ihrem Alter diesem Thema?

 

Die Themen Sterben und Tod spielen in unserer Gesellschaft kaum eine Rolle, sind nahezu verbannt. Man spricht nicht darüber, und doch gehört der Tod genauso zum Leben wie die Geburt! In den letzten Jahren bin ich sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext häufiger sterbenden Menschen begegnet. Ich habe erfahren, wie diese nach langer Krankheit loslassen konnten und habe sie und ihre Familien in diesem Umfeld begleitet. Dabei durfte ich viele besondere Momente erleben, in denen ich selbst beschenkt wurde. Momente, die mir geholfen haben den Tod nicht als etwas Schreckliches und Angsteinflößendes zu sehen, sondern zum Leben gehörend. Ich habe erfahren, dass mir diese besonderen Momente, gerade in der Trauer um einen lieben Menschen, sehr geholfen haben.

 

Was bedeutet die Beauftragung zum Beerdigungsdienst für Sie?

 

Für mich persönlich ist dies ein sehr wichtiger Schritt. Trauer und Sterbebegleitung sind schon seit längerem seelsorgliche Felder, die auch durch pastorale MitarbeiterInnen übernommen werden. In der Vergangenheit habe ich Menschen gerade bei der Hauskommunion über lange Zeit begleitet. Ich kannte diese Menschen und ihre Familien. Nun, darf ich sie auch auf ihrem letzten Weg begleiten.

Auch die Sorge um die Trauerenden, ist mir ein wichtiges Anliegen, was gerade in immer größeren Pfarreien schwieriger wird. So gibt es in unserer Gemeinde seit zwei Jahren „Andachten für Trauernde“.

Mit der Beauftragung zum Beerdigungsdienst darf ich den Menschen nun nicht nur vor dem Tod und nach der Beerdigung als Seelsorgerin zur Seite stehen, sondern den Verstorbenen und den Angehörigen auch beim Begräbnis beistehen.

 

Sie sind in der Innenstadtpfarrei die erste Gemeindereferentin, die diesen Dienst tut. Welche Schwierigkeiten sehen Sie?

 

Sicher wird es am Anfang hier und da Schwierigkeiten geben, Akzeptanz zu finden, aber ich möchte mich und meinen Dienst auch nicht aufdrängen. Ermutigt und nahezu überrascht haben mich jedoch die vielen sehr positiven Reaktionen und Glückwünsche rund um die Beauftragung.

Ich persönlich sehe im Moment eher die Schwierigkeit darin, in der Traueransprache vielleicht nicht die richtigen Worte zu finden oder – besonders wenn man den Verstorbenen gekannt hat – mit den eigenen Emotionen konfrontiert zu werden.

 

 

 
 
© Katholische Stadtpfarrei Fulda